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20. April 2026

Bio allein reicht nicht: Wie fair ist die Branche wirklich?

Der Anspruch von Bio-Unternehmen geht über das rein ökologische Wirtschaften hinaus: Fairness entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist ein zentrales Ziel. Die Untersuchung der CIR zeigt nun, wo die Branche steht und welche Siegel halten, was sie versprechen.

Was bedeutet „Fairness“ im Bio-Sektor?

Faires Wirtschaften ist mehr als nur der klassische Handel mit Rohstoffen aus dem globalen Süden. Zentrale Kriterien sind:

  • Preisgestaltung: Faire Preise müssen Produktionskosten decken, Investitionen ermöglichen und existenzsichernd wirken.
  • Soziale Standards: Dies beinhaltet Arbeitsbedingungen, Löhne und Arbeitsschutz auf Basis der ILO-Kernarbeitsnormen.
  • Transparenz: Eine offene Darlegung der Nachhaltigkeitsbemühungen und unabhängige Überprüfungen sind essenziell.
  • Langfristigkeit: Verlässliche Abnahmemengen und dauerhafte Lieferbeziehungen bilden die Grundlage.

Der Markt für faire Produkte (Stand 2024)

Der Umsatz mit Fairtrade-Produkten in Deutschland erreichte 2024 einen Rekordwert von 2,9 Milliarden Euro.
Dabei zeigt sich eine starke Verknüpfung mit dem Bio-Sektor: Zwei von fünf Fairtrade-Lebensmitteln trugen 2024 zusätzlich ein Bio-Siegel.

Umsatzanteile und Bio-Quote im Fairen Handel (2024)

Produktgruppe Anteil am Fair-Umsatz Bio-Anteil an Absatzmenge
Kaffee

37,7 %

74,6 %

Südfrüchte / Bananen

10,1 %

66,7 %

Textilien

9,1 %

-
Gewürze & Reis -

100,0 %

Tee -

93,6 %

 

Siegel und Händler im Test

Der „Wegweiser durch das Label-Labyrinth“ bewertet erstmals auch Handelsunternehmen wie Alnatura, Denns BioMarkt und Bio Company.

Die Spitzenreiter

Labels wie Naturland Fair, Fair Bio und Rapunzel Hand in Hand gehören zu den Testsiegern.
Sie zeichnen sich aus durch:

  • Verbindliche Forderung existenzsichernder Löhne mit klaren Berechnungsmethoden.
  • Umfassende menschenrechtliche Sorgfaltsprüfungen entlang der gesamten Lieferkette.
  • Hohe Transparenz durch die Veröffentlichung von Audit-Ergebnissen.

Die großen Bio-Händler im Vergleich

Die Untersuchung stellt fest, dass große Händler zwar gesetzliche Vorgaben wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) erfüllen, bei sozialen Standards aber oft noch Luft nach oben haben:

  • Alnatura: Setzt auf langfristige Beziehungen, fordert jedoch keine explizit existenzsichernden Löhne ein.
  • Bio Company: Arbeitet regional, verfügt aber über keine transparente Preisstrategie und veröffentlicht keine zentralen Geschäftskennzahlen.
  • Denns BioMarkt: Punktet bei der Vermeidung von Lebensmittelüberschüssen, garantiert jedoch keine festen Abnahmepreise.

Fazit: Auf dem Weg zur „Just Transition“

Einige Standards fördern bereits gezielt die Just Transition – einen sozial gerechten Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft, der Beschäftigte und benachteiligte Gruppen aktiv miteinbezieht. Dennoch zeigt der Bericht, dass das Bio-Logo allein keine vollumfänglichen Sozialstandards garantiert; hier bieten spezialisierte Fair-Zusatzzertifizierungen die höchste Sicherheit für bewusste Verbraucher.

 

Hintergrund: Die Quelle

Der folgende Beitrag basiert auf dem Artikel „So fair ist Bio“ von Michael Stahl, der als Titelstory in der Ausgabe März 2026 der Fachzeitschrift BioHandel erschienen ist. Er fasst die zentralen Ergebnisse der Untersuchung der Christlichen Initiative Romero (CIR) zusammen, die Anfang 2026 in der dritten Auflage ihres „Wegweisers durch das Label-Labyrinth“ veröffentlicht wurden.