Vom Steak im Kinderwagen zu knapp 80 Tonnen auf dem Laster - 25 Jahre Bio-Festival-„Wahnsinn“ mit EPOS x Tollwood
Wer heute im Sommer oder Winter über das Tollwood-Gelände schlendert, nimmt den Duft von internationalem Streetfood, Gewürzen und frisch Gebratenem wahr. Dass hier fast ausnahmslos zertifizierte Bio-Qualität auf den Tellern landet, ist für die Besucher mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Doch hinter den Kulissen der Festival-Gastronomie steckt eine logistische und konzeptionelle Evolution, die vor 25 Jahren noch niemand voraussehen konnte.
Die Geburtsstunde dieser Partnerschaft im Jahr 2001 war alles andere als ein durchgestyltes Großprojekt. Sie begann, wie so viele gute Geschichten, mit einer gehörigen Portion Pioniergeist, unkonventionellen Ideen – und viel persönlichem Einsatz.
Die wilden Anfangstage: Kinderwagen und Minz-Express
Hermann Oswald, Gründer und Inhaber von EPOS Bio Partner, und seine Frau Susanne, die ebenfalls seit den allerersten Stunden fest im Unternehmen mitwirkt, erinnern sich schmunzelnd an diese abenteuerliche Anfangszeit. Damals lief die Logistik auf dem Festival noch in ganz anderen Bahnen. Wenn mitten im größten Festivaltrubel plötzlich die Bio-Steaks knapp wurden, half kein eilig herbeigerufener LKW, da musste es schnell(er) gehen.
Die Not machte erfinderisch, und so wurde die Familie kurzerhand zum mobilen Express-Lieferdienst: Hermann und Susanne packten ihre Kinder in die Kinderwägen, stapelten im hinteren Teil der Wägen gut gekühlt die heiß ersehnten Bio-Steaks und schoben los. Vorne die neugierig in die Menge blickenden Kinder, hinten die kulinarische Rettung für den Grillmeister – so schlängelte sich das Paar unauffällig durch die dichten Besuchermassen direkt bis an die Bude.
Dabei hatte EPOS mit dem Festival als Organisation zu diesem Zeitpunkt noch kaum direkten Kontakt. Der Impuls kam von der Basis: Das Gastrounternehmen Kiebl betrieb 2001 eine Waffelbäckerei auf dem Tollwood und fragte gezielt nach Bio-Lebensmitteln. EPOS lieferte. Aus diesem ersten Waffelteig, den legendären Kinderwagen-Transporten von Hermann und Susanne und vielen gemeinsamen Aktionen und gezielter Ermöglichung erwuchs über die Jahrzehnte ein unverzichtbares Fundament für die gesamte Nachhaltigkeits-Ausrichtung des Festivals.
Die Steaks blieben in all den Jahren nicht die einzige Last-Minute-Rettung. Ein weiteres wunderbares Beispiel für den zupackenden Geist beteiligten MitarbeiterInnen weiß Alexander Fuchs zu berichten. Er betreibt einen Biohof im nahegelegenen Schrobenhausen und beliefert EPOS und damit die Tollwood-Gastro mit Kartoffeln, knackigem Gemüse und frischen Kräutern. Er erinnert sich lebhaft an einen heißen Sommertag während eines Sommer-Tollwood: Einem Gastronomen war über Nacht die frische Minze ausgegangen – ein absoluter Notfall mitten in der umsatzstarken Cocktail- und Erfrischungszeit. Statt den Kunden auf die nächste reguläre Tour zu vertrösten, fackelte ein EPOS-Mitarbeiter nicht lange. Er setzte sich kurzerhand in seinen privaten PKW, düste direkt raus nach Schrobenhausen und lud gemeinsam mit dem Landwirt den kompletten Wagen bis unters Dach voll mit frisch geernteter, intensiv duftender Bio-Minze. Mit einem Auto, das vermutlich noch Wochen danach wie eine gigantische, frische Mojito-Bar roch, ging es im Express-Tempo direkt auf das Festivalgelände – die Rettung in sprichwörtlich letzter Sekunde.

Foto: Alexander Scharf
Bio auf dem Festival: Vom Exoten zum Erfolgsfaktor
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich nicht nur die Logistik verändert, sondern vor allem das Bio-Bewusstsein. Hermann Oswald, Sebastian Funk, Xaver Amler und das gesamte Festival-Team von EPOS durften miterleben, wie sich das gastronomische Verständnis der Standbetreiber gewandelt hat.
Früher war „Bio“ auf einem Festival oft ein idealistisches Nischenprojekt für wenige Spezialisten. Heute ist es auf dem Tollwood eine Grundvoraussetzung. Die Gastronomen müssen sich dadurch intensiv mit Herkunft, Zertifizierungen und Warenverfügbarkeiten auseinandersetzen. EPOS agiert hier schon lange nicht mehr als reiner „Kistenschlepper“, sondern ganz nach dem eigenen Selbstverständnis als vollwertiger Bio-Partner. Wenn ein Gastronom ein neues, kreatives Streetfood-Konzept plant, werden bei EPOS alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zu prüfen: Welche Komponenten sind im Bio-Vollsortiment stabil lieferbar? Wo können wir regionale Erzeuger einbinden? So wird aus einer einfachen Lieferkette eine echte Entwicklungspartnerschaft.
Vom Festivalzelt in die Großküche: Tollwood als Brutstätte für den Kita-Erfolg
Wer glaubt, dass diese geballte Bio-Kompetenz von EPOS und Tollwood nur zweimal im Jahr auf der Theresienwiese und im Olympiapark zum Einsatz kommt, unterschätzt die Tragweite dieser Partnerschaft. Das Festival fungierte von Beginn an auch als Reallabor und visionäre Brutstätte für gesellschaftlichen Wandel. Wenn es gelingt, zehntausende Festivalbesucher mitten im Trubel mit bis zu 100 Prozent Bio-Kost zu begeistern, warum sollte das nicht auch im Alltag funktionieren – und zwar dort, wo es am dringendsten gebraucht wird – bei unseren Kindern?
Aus diesem Gedanken heraus hoben Tollwood und das Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München bereits im Mai 2006 das bahnbrechende Projekt „Bio für Kinder“ aus der Taufe. Das ehrgeizige Ziel: Den Nachwuchs in Münchner Kindergärten und Schulen flächendeckend mit nachhaltiger Kost zu versorgen.
EPOS Bio Partner stieg von Beginn an als biologischer Großküchen-Lieferant, Pate und Know-how-Geber ein. Ein Vorzeigeprojekt dieser Ära war die Kinder- und Jugendfarm Ramersdorf. Dank der intensiven Begleitung und finanziellen Unterstützung durch EPOS gelang es der sozialen Einrichtung innerhalb von zwei Jahren, die komplette Verpflegung für die Kinder erfolgreich auf Bio-Kost umzustellen. Das Projekt „Bio für Kinder“ war so erfolgreich, dass es weit über die Grenzen Bayerns hinaus kopiert wurde und höchste Ehren erhielt – unter anderem 2007 den renommierten Healthy-Cities-Award „Grüner Apfel“ der Weltgesundheitsorganisation.
Hermann Oswald erinnert sich an ein ganz besonderes Highlight des Projekts: Weil auf der Jugendfarm so effizient gewirtschaftet wurde, blieb am Ende ein Teil der Fördergelder übrig. „Wir haben uns damals riesig gefreut, dass unser Patenkind so gut mit den Mitteln haushalten konnte und vom Restbetrag etwas Bleibendes für die Jugendlichen vor Ort entstehen konnte.“ Aus den verbliebenen Geldern bauten die Betreuer gemeinsam mit den Kindern einen Natursteinofen in Lehmbauweise. Ein Ofen, der bis heute für Biokoch- und Backkurse genutzt wird, um Kindern spielerisch die Grundlagen gesunder, nachhaltiger Ernährung beizubringen.
20 Jahre später: Der Kreis schließt sich in München
Wie tief und nachhaltig dieser damals gesäte Samen gewachsen ist, zeigt sich genau jetzt: Zu Beginn des Jahres 2026 hat die Stadt München die Frisch-Verpflegung in allen städtischen Kitas und Kindergärten flächendeckend auf Bio-Essen umgestellt. Ein historischer Meilenstein für die Stadt und ein politischer Triumph, der ohne die damalige Initiative des Tollwood-Projekts und dessen jahrzehntelange Pionierarbeit schlichtweg undenkbar gewesen wäre.
Und hier schließt sich der Kreis der Partnerschaft auf beeindruckende Weise: Auch heute, 20 Jahre nach den ersten Testläufen, ist EPOS Bio Partner als zuverlässiger Großhändler maßgeblich an den täglichen Auslieferungen für die städtischen Kindereinrichtungen beteiligt. Was als idealistisches Pilotprojekt begann, ist heute eine flächendeckende, hochprofessionelle Versorgungsrealität für tausende Münchner Kinder. Die damals gesammelten Erfahrungen im Bereich Küchenmanagement und hocheffizienter Bio-Logistik bilden das feste Fundament, das EPOS heute zum führenden Experten für moderne Kita- und Daycare-Netzwerke in der Region macht.
Qualität braucht Sicherheit: Digitale Transparenz seit zwei Jahrzehnten
Zurück zum Festivalalltag auf dem Tollwood. Dass ein so großes, selbstauferlegtes Bio-Verständnis im Laufe der Jahre auch nach verlässlichen Strukturen verlangte, liegt auf der Hand. Ein weiterer Meilenstein, der den hohen Standard auf dem Festival langfristig gesichert hat, war deshalb die Einführung eines einheitlichen, vernetzten Kassensystems für alle Gastronomiebetriebe vor rund 20 Jahren. Was heute in der Eventbranche als modernste Digitalisierung gefeiert wird, brachten Tollwood und seine Partner bereits um das Jahr 2006 auf den Weg – und leisteten damit echte Pionierarbeit.
Was auf den ersten Blick nach reinem Controlling klingt, ist in Wahrheit seit zwei Jahrzehnten ein partnerschaftlicher Schutzschirm für die Integrität der gesamten Bio-Branche. Durch die lückenlose digitale Abbildung der Warenströme – vom Wareneingang bei EPOS bis zum Verkauf über die Ladentheke – wird absolute Transparenz geschaffen. Für die Gastronomen ist das ein unschätzbarer Vorteil bei der eigenen Bio-Zertifizierung, da alle Daten sauber und manipulationssicher matchen.
Gleichzeitig sichert dieses System den fairen Wettbewerb unter den Gastronomen. Es sorgt verlässlich dafür, dass dort, wo Bio draufsteht, auch zu 100 Prozent zertifizierte Bio-Ware drin ist. Das stärkt das Vertrauen der Festivalbesucher in die Gastro-Betriebe, die tagtäglich den Mehraufwand für echte Öko-Qualität auf sich nehmen.
Logistik im Ausnahmezustand: Die nackten Zahlen
Aber auch das beste digitale System nützt nichts, wenn die Ware nicht pünktlich am Stand ankommt. Ein Festivalgelände ist schließlich kein steriles Zentrallager, sondern ein lebendiger Organismus mit engen Rettungswegen, Starkregen, Hitzeperioden und unvorhersehbaren Besucherströmen. Dass dieses gewachsene System aus Transparenz und Logistik auch unter extremem Stress funktioniert, belegen die Zahlen der jüngsten Saison 2025 auf beeindruckende Weise.
Die Bilanz aus dem vergangenen Jahr zeigt, welche physischen Dimensionen die Partnerschaft mittlerweile angenommen hat:
- 77.667 Kilogramm Bio-Ware bewegte EPOS insgesamt im Jahr 2025 auf das Tollwood.
- 464 Transport-Rollis (und vereinzelte Paletten) wurden von den Fahrern millimetergenau an die Stände manövriert.
- 426 Mal stoppten die EPOS-LKWs im Jahr 2025 für eine punktgenaue Anlieferung auf dem Gelände.

Foto: Alexander Scharf
Ausblick: Der Standard ist hoch – doch der Weg geht weiter
Nach 25 Jahren steht fest: Das Tollwood und seine Partner haben Maßstäbe gesetzt, von denen andere Großveranstaltungen in Deutschland nur träumen können. Der Status quo ist ein absoluter Goldstandard. Und doch zeigt der Blick in die Praxis, dass die Entwicklung im Bio-Segment niemals stillsteht. Denn auch heute gibt es in den Grenzbereichen der Gastronomie noch Diskussionsbedarf und kreative „Ausreden“ – und es gilt, auch in diesen letzten Nischen das Bewusstsein zu schärfen und zu beweisen, dass hochwertigste Bio-Alternativen dem konventionellen Markt in nichts nachstehen – weder im Geschmack noch in der Performance an der Bar. Und nicht zuletzt, dass nur wo Bio draufsteht auch der Nachhaltigkeitsgedanke eines Festivals mitgetragen wird.
Der Standard auf dem Tollwood ist hoch. Aber 25 Jahre haben eben auch gezeigt: Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein. EPOS und das Tollwood werden auch in Zukunft die „Daumen“-Schrauben der Nachhaltigkeit sanft, aber bestimmt weiter anziehen. Die nächsten 25 Jahre haben gerade erst begonnen.